Marcel Hardrath | Kommunale Unternehmen & Nahverkehr

Marcel Hardrath bei einem Vortrag
Marcel Hardrath bei einem Vortrag (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk)

Kommunale Unternehmen und Nahverkehr — wirtschaftlich gesteuert.

Ich verbinde Beteiligungssteuerung, ÖPNV-Governance und kommunale Finanzarchitektur zu belastbaren Entscheidungsgrundlagen. Für Aufgabenträger, Gremien und Verwaltungen, die Daseinsvorsorge unter realen Haushaltsbedingungen sichern müssen.

Zwei Felder, die zusammengehören.

Kommunale Unternehmen und Nahverkehr werden meist getrennt betrachtet — von Juristen, Betriebswirten oder Verkehrsplanern jeweils aus einer Perspektive. Genau an dieser Schnittstelle entstehen die teuren Fehler: Ein Öffentlicher Dienstleistungsvertrag, der die steuerliche Logik ignoriert. Eine Beteiligungsstruktur, die Förderfähigkeit verbaut. Eine Investition, die betriebswirtschaftlich trägt, aber haushaltsrechtlich nicht.

Ich denke beide Felder zusammen: die betriebswirtschaftliche Steuerung kommunaler Unternehmen und die rechtlich-finanzielle Architektur des Nahverkehrs. Das ist die Perspektive, aus der tragfähige Entscheidungen
entstehen — politisch, rechtlich, finanziell und operativ.

  • Beteiligungssteuerung & kommunale Unternehmensaufsicht
  • ÖPNV-Governance nach RegG und VO 1370/2007
  • Nutzen-Kosten-Analysen und Wirtschaftlichkeitsbewertungen
  • Querverbund, Spartentrennung und steuerliche Ergebnisverrechnung
  • Förderfähigkeit auf Bundes-, Landes- und EU-Ebene
Marcel Hardrath in einer Diskussion
Marcel Hardrath in einer Diskussion (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk)

Drei Felder. Eine Logik.

Kommunale Unternehmen

Beteiligungssteuerung, Aufsichtsratsarbeit und wirtschaftliche Kontrolle kommunaler Gesellschaften. Von der Bilanzanalyse über Querverbund-Strukturen bis zur Frage, wann eine Sparte den steuerlichen Vorteil gefährdet.

Nahverkehr & Governance

ÖPNV-Steuerung nach Besteller-Ersteller-Prinzip, Verkehrsverträge, Direktvergabe und Ausschreibung. Die rechtssichere Verbindung von Finanzierungsarchitektur und gewähltem Steuerungsmodell.

Bewertung & Förderung

Nutzen-Kosten-Analysen, Machbarkeitsstudien und Förderlogik. Entscheidungsreife Unterlagen, die politisch, rechtlich und haushalterisch tragen — nicht nur als Konzept, sondern als prüffähige Grundlage.

Methodik: Besteller-Ersteller-Prinzip & Finanzierungsarchitektur

Effiziente ÖPNV-Governance verknüpft die betriebliche Leistungserbringung mit den rechtlichen Vorgaben des Regionalisierungsgesetzes (RegG) und der EU-Verordnung 1370/2007. Nur wer die Finanzierungsarchitektur rechtssicher mit dem gewählten Steuerungsmodell synchronisiert, sichert langfristig die Daseinsvorsorge.

Dimension Regie-Modell (Eigenbetrieb) Besteller-Ersteller-Modell
Steuerungstiefe Direkter Durchgriff (Politiknah) Vertraglich definiert (Verkehrsvertrag)
Risikoallokation Vollständiges Risiko beim Aufgabenträger Betriebsrisiko beim Unternehmen (Nettovertrag)
Effizienzanreiz Gering (Fehlender Marktdruck) Hoch (Wettbewerbsdruck & Pönalen)
Rechtsrahmen Interne Vergabe (Direktvergabe) EU-Verordnung 1370/2007 (Ausschreibung)
  • Entscheidungsfähigkeit herstellen: Machbarkeitsstudien, Nutzen‑Kosten‑Analysen, Wirkungs‑ und Szenariobewertungen.
  • Förderlogik steuern: Förderfähigkeit, Programmlogik, Verfahren (Bund/Land/EU) und entscheidungsreife Unterlagen.
  • Programme bauen statt Einzelprojekte: Pilotdesign, Skalierung, Implementierungs‑ und Betriebslogiken.
  • Klima und Energie integrieren: Einordnung in Klimaschutz, Anpassung, Energie‑ und Transformationsziele.
  • Schnittstellen führen: Übersetzung zwischen Politik, Verwaltung, Planung und Infrastrukturträgern.
  • Alle Beiträge sind darauf ausgerichtet, staatliche Entscheidungen langfristig wirksam und haushalts‑ sowie governance‑fähig zu machen.

Projekte & Analysen

Infrastrukturplanung

Erweiterung des Straßenbahnnetzes in Nordhausen
Liniennetzplan der Straßenbahn mit der geplanten Linie 20

Fallstudie: Integrierte Netzplanung & Infrastruktur-Steuerung

Das Nordhäuser Straßenbahnnetz wurde zuletzt 1993 mit der Erweiterung der Linie 2 nach Ost und 2004 mit dem Lückenschluss zwischen Linie 1 und der Harzer Schmalspurbahn (HSB) zur Linie 10 am Bahnhofsplatz ausgebaut. Seit 1981 endet die Straßenbahnlinie 2 an der Bundesstraße 4 in der Parkallee. Der Abschnitt der B4 zwischen "Harztor OT Ilfeld" und der "Parkallee" verzeichnet täglich mehr als 8.200 Fahrzeuge. Die B 4 verfügt nur über eine Fahrspur pro Richtung und ist die einzige Verbindungsstraße in den Ost- und Westharz sowie die am stärksten befahrene Straße innerhalb der Kreisstadt Nordhausen.

Projekt: Straßenbahn-Lückenschluss

  • Auftraggeber: Landkreis Nordhausen

  • Rolle: Projektplanung & Konzeptentwicklung

  • Ziel: Entlastung der B4 und Verbesserung der regionalen Erreichbarkeit

  • Ergebnis: Planung eines 300 m langen Lückenschlusses zur Anbindung des Stadtteils Salza

Das Projekt adressiert eine der verkehrlich am stärksten belasteten Achsen der Region und zeigt exemplarisch, wie integrierte Verkehrsplanung zur nachhaltigen Stadt‑ und Regionalentwicklung beitragen kann.

Steuerungsrelevante Erkenntnisse: Das Projekt zeigt exemplarisch, wie infrastrukturelle Einzelmaßnahmen im "ländlichen Oberzentrum" als Instrument zur Entlastung überregionaler Verkehrsachsen, zur Sicherung regionaler Erreichbarkeit, zur langfristigen Steuerung von Verkehrsverlagerung und Infrastrukturfolgekosten eingesetzt werden können. Die gewonnenen Erkenntnisse sind auf vergleichbare Regionen mit begrenzter Straßenkapazität und hohem Pendleraufkommen übertragbar.

Innovative Antriebssysteme

Machbarkeitsstudie alternative Antriebe Wasserstoff HSB Marcel Hardrath
Machbarkeitsstudie alternative Antriebe Wasserstoff HSB Marcel Hardrath

Fördermittelgestützte Bewertung alternativer Antriebstechnologien im Schienenverkehr

Im Jahr 2021 habe ich erfolgreich Fördermittel des Thüringer Umweltministeriums für ein Projekt zur Bewertung alternativer Antriebstechnologien für die Dampflokomotiven der Harzer Schmalspurbahnen GmbH eingeworben.

Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene technologische Optionen – von Wasserstoff bis hin zu Pyrolysekohle – systematisch untersucht und eingeordnet. Ziel war es, die Einsatzfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Systemkompatibilität alternativer Antriebe im Kontext bestehender Infrastruktur, betrieblicher Anforderungen und klimapolitischer Zielsetzungen zu bewerten.

Das Projekt diente der Schaffung belastbarer Entscheidungsgrundlagen für öffentliche Aufgabenträger und Ministerien im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, technischer Machbarkeit und langfristiger Betriebsfähigkeit historischer Schieneninfrastruktur.

On-Demand-Verkehre: Die Wirtschaftlichkeitslücke

Analyse von On-Demand-Systemen (Bedarfsverkehre)

Analyse / Fachbeitrag Schwerpunkt: Verkehrsökonomie, Regulatorik des autonomen Fahrens, Infrastrukturplanung

Im Zuge der Mobilitätswende werden On-Demand-Systeme (Bedarfsverkehre) oft als Universallösung für den ländlichen Raum propagiert. Diese Analyse untersucht die systemische Wirtschaftlichkeit dieser Verkehre unter Berücksichtigung von Personalkosten, Pooling-Quoten und dem aktuellen regulatorischen Rahmen (AFGBV). Im Fokus steht die kritische Hinterfragung der Substitution von bewährten Linienverkehren durch kleinteilige, hochsubventionierte App-basierte Angebote.

Kerninhalte der Untersuchung:

  • Personalkosten-Divergenz: Analyse der fehlenden Skaleneffekte bei manuell gesteuerten Kleinbussen im Vergleich zum klassischen Linienverkehr.

  • Pooling-Effizienz: Evaluierung realer Bündelungsquoten und deren Auswirkung auf die gefahrenen Fahrzeugkilometer.

  • Regulatorische Barrieren: Identifikation von Hemmnissen in der Autonome Fahrzeuge-Genehmigungs- und Betriebsverordnung (AFGBV) und deren Folgen für die kommunale Haushaltsplanung.

  • Systemische Integration: Entwicklung von Lösungsansätzen zur tariflichen und infrastrukturellen Verzahnung von Bedarfsverkehren als Zubringer zum Schienen-Rückgrat.

Autogerechte Stadt vs. Bürgerstadt

Parkhauspläne der SWG Nordhausen (Quelle: SWG Nordhausen)
Ansicht des geplanten Parkhauses am August-Bebel-Platz

Bewertung von Parkhausprojekten im Kontext der Mobilitätswende

Der Bau von Parkhäusern ist häufig Ausdruck struktureller Zielkonflikte zwischen Verkehrsentlastung, Flächennutzung und langfristiger Mobilitätssteuerung. Ich befasse mich mit der strategischen Bewertung solcher Infrastrukturvorhaben im Kontext übergeordneter Verkehrs‑, Raumordnungs‑ und Klimaziele.

Im Fokus stehen dabei insbesondere:

  • verkehrliche Wirkungen und Verlagerungseffekte

  • langfristige Kosten‑ und Folgewirkungen für öffentliche Haushalte

  • Wechselwirkungen mit ÖPNV‑, Rad‑ und Fußverkehrskonzepten

  • Vereinbarkeit mit regionalen und landesweiten Mobilitätsstrategien

Ziel ist es, belastbare Entscheidungsgrundlagen zu schaffen, die es öffentlichen Entscheidungsträgern ermöglichen, Parkraumprojekte sachlich zu bewerten, zu priorisieren oder durch alternative Maßnahmen zu ersetzen.

Aktuelle Veröffentlichungen

Bundespolizeigesetz 2026: Alle Änderungen, neuen Befugnisse und die Kritik im Überblick

Die Bundespolizei bekommt das größte Update ihrer Rechtsgrundlagen seit 1994. Der Gesetzentwurf zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes (BT-Drs. 21/3051) hat den Innenausschuss passiert, der Bundesrat hat bereits Stellung genommen. Was auf den ersten Blick nach überfälliger Verwaltungsmodernisierung klingt, verdient bei genauerem Hinsehen eine differenzierte, sozial-liberale Einordnung.

41,3 Grad. 500 Milliarden Euro. Und trotzdem kein Plan für die Hitze.

Deutschland hat einen neuen Temperaturrekord. 41,3 Grad Celsius, gemessen am 25. Juni 2026 vom Deutschen Wetterdienst an der Station Saarbrücken-Burbach, um 17 Uhr. Kein Modell, keine Hochrechnung — eine offizielle DWD-Messung. Der bisherige Allzeitrekord von 41,2 Grad aus dem Jahr 2019 ist Geschichte. Und das Besondere: Wir haben ihn an einem einzigen Tag zweimal gebrochen. Erst 40,9 Grad als neuer Juni-Hitzerekord am Vortag — dann, Stunden später, die 41,3.

Das ist eine Zahl, die man sich merken sollte. Nicht weil Rekorde automatisch politisch sind — sondern weil sie eine Frage aufwerfen, die in den vergangenen Wochen kaum jemand klar beantwortet hat: Was haben wir eigentlich für diesen Fall geplant?

Grenzen der KI: Warum Ermessen Menschensache bleibt

2,5 Billionen Dollar fließen 2026 weltweit in KI – und scheitert an einer Kreuzung ohne Schild. Warum Ermessen in Verwaltung und Verkehr Menschensache bleibt.

Beratungsanfragen

Ich bin hauptberuflich beim Landkreis Nordhausen tätig. Beratungen für Ministerien, Verbünde und Zweckverbände nehme ich als unabhängiger Fachexperte in Gremien, Arbeitsgruppen und Fachbeiräten wahr — in Abstimmung mit meinem Arbeitgeber. Kommerzielle Freiberuflichkeit biete ich nicht an.

Transparenzhinweis:
Glaubwürdigkeit in staatlichen Entscheidungsprozessen setzt Unabhängigkeit voraus. Alle Beratungstätigkeiten erfolgen ehrenamtlich oder im Rahmen fachlicher Beiräte und Ausschüsse.