Grundzentren als Impulsgeber für Regionen

Autor Marcel Hardrath
Ansicht der Hauptstraße im Grundzentrum Bleicherode (ca. 2010)

Grundzentren sind kleine bis mittlere Städte, die als Versorgungs- und Dienstleistungszentren für die umliegenden ländlichen Räume fungieren. Sie bieten den Bewohnern der Region eine Grundversorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, wie z.B. Lebensmittel, Gesundheit, Bildung, Kultur und Freizeit. Grundzentren sind daher wichtige Knotenpunkte für die ländliche Entwicklung, da sie die Lebensqualität und die Attraktivität der ländlichen Räume erhöhen können.

Grundzentren stehen jedoch vor verschiedenen Herausforderungen, wie z.B. dem demografischen Wandel, der Abwanderung von Fachkräften und Unternehmen, der Konkurrenz durch größere Städte oder den Online-Handel. Um ihre Funktion als Grundzentren zu erhalten und zu stärken, müssen sie sich an die veränderten Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Bevölkerung anpassen und innovative Strategien entwickeln, um ihre Potenziale zu nutzen.

Einige Beispiele für solche Strategien sind:

  • Die Förderung der regionalen Wertschöpfung und der lokalen Identität durch die Unterstützung von regionalen Produkten, Handwerk, Kultur und Tourismus.
  • Die Verbesserung der Mobilität und der digitalen Anbindung durch den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrradwegen, Carsharing-Angeboten und Breitbandnetzen.
  • Die Stärkung der sozialen Integration und der Partizipation durch die Schaffung von Begegnungs- und Beteiligungsräumen, die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement und die Vernetzung von Akteuren aus verschiedenen Bereichen.
  • Die Erhöhung der ökologischen Nachhaltigkeit und der Resilienz durch die Umsetzung von Energieeffizienz-, Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen, die Förderung von erneuerbaren Energien und die Nutzung von natürlichen Ressourcen.

Beispiele für innovative Entwicklungsansätze sind:

Digitale Dorfläden

Ein häufiges Problem in ländlichen Räumen ist die Schließung von Nahversorgungseinrichtungen wie Bäckereien, Metzgereien oder Dorfläden. Dies führt zu einer Verschlechterung der Lebensqualität und zu längeren Wegen für die Einkäufe. Um diesem Trend entgegenzuwirken, haben einige Grundzentren digitale Dorfläden eingerichtet, die eine Alternative zur klassischen Nahversorgung bieten. Dabei handelt es sich um Räume mit Automaten oder Schließfächern, in denen regionale Produkte wie Brot, Milch, Eier oder Obst angeboten werden. Die Kunden können diese Produkte rund um die Uhr mit einer App oder einer Kundenkarte bezahlen und entnehmen. Die digitalen Dorfläden werden von lokalen Erzeugern oder Genossenschaften betrieben und bieten somit eine Möglichkeit, die regionale Wertschöpfung zu stärken und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Mehrgenerationshäuser

Ein weiteres Problem in ländlichen Räumen ist der demografische Wandel, der zu einer Überalterung und Abwanderung der Bevölkerung führt. Dies hat negative Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Grundzentren. Um dem entgegenzuwirken, haben einige Grundzentren Mehrgenerationenhäuser eingerichtet, die ein generationenübergreifendes Wohnen und Leben ermöglichen. Dabei handelt es sich um Gebäude oder Siedlungen, in denen Menschen unterschiedlichen Alters und Lebenssituationen gemeinsam wohnen und sich gegenseitig unterstützen. Die Mehrgenerationenhäuser bieten zudem Räume für gemeinsame Aktivitäten wie Kurse, Feste oder Beratungen an. Die Mehrgenerationenhäuser fördern somit die soziale Integration und den Austausch zwischen den Generationen und tragen zu einer lebendigen Dorfgemeinschaft bei.

Kultur- und Bildungsangebote

Ein drittes Problem in ländlichen Räumen ist die geringere Verfügbarkeit von Kultur- und Bildungsangeboten im Vergleich zu städtischen Räumen. Dies führt zu einer geringeren Teilhabe und Attraktivität der Grundzentren für ihre Bewohnerinnen und Bewohner sowie für Besucherinnen und Besucher. Um diesem Problem entgegenzuwirken, haben einige Grundzentren innovative Kultur- und Bildungsangebote geschaffen, die das kulturelle Leben und das lebenslange Lernen in den Grundzentren bereichern. Einige konkrete Beispiele wären:

Die digitale Galerie: Ein Projekt des Kunstvereins Ebersberg, das eine Online-Plattform für die Präsentation und den Verkauf von Kunstwerken lokaler Künstler:innen schafft. So können Künstler:innen aus Grundzentren ihre Werke einem breiteren Publikum zeigen und neue Einnahmequellen erschließen.

Die digitale Konzerthalle: Ein Projekt des Landesmusikrats Schleswig-Holstein, das es ermöglicht, Konzerte live aus verschiedenen Orten zu streamen und zu verbinden. So können Musiker aus Grundzentren mit einem größeren Publikum interagieren und gleichzeitig lokale Besonderheiten präsentieren.